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B wie Böckchenhaltung Drucken
Immer wieder werden wir damit konfrontiert, dass angeblich Böckchen nicht zusammen gehalten werden können. Leider ist dies nur bedingt der Fall. Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einen Überblick geben, was stimmt und was eben falsch ist.
Falsch ist, ...
... dass Böckchen deutlich strenger riechen als Weibchen! Bei regelmäßiger Reinigung des Geheges ist der Geruch kaum wahrnehmbar.
... das Böckchen aggressiver sind und beißen! Meerschweinchen, unabhängig vom Geschlecht, beißen in Stresssituationen oder aber wenn sie sich durch die menschliche Hand bedroht fühlen. Sie beißen auch, wenn sie starke Schmerzen empfinden. Beißereien können daher genauso unter Meerschweinchen vorkommen.
... dass Weibchen viel zahmer sind! Auch hier zeigt es sich immer wieder, dass Böckchen zutraulicher gegenüber "ihrem" Menschen sind, sich im Auslauf frei bewegen und oft in auch ungeschützt im Gehege schlafen. Weibchen verstecken sich meist in Unterschlüpfen. Natürlich ist "das Zahmsein" bei Meerschweinchen abhängig von seiner Vorgeschichte. Ein Meerschweinchen, welches schlechte Erfahrungen bei seinen Vorbesitzern gemacht hat, auch viel langsamer oder gar keine Zutraulichkeit entwickelt. Dabei spielt das Geschlecht keine Rolle.
... dass Böckchen Urin spritzen! Dies tritt häufig bei unkastrierten Böckchen auf, die zu einem Weibchen (Bitte nicht ausprobieren! Eine Trächtigkeit ist ab einem bestimmten Alter sehr gefährlich, außerdem sind Tierheime und Notstationen mehr als überfüllt!) gesetzt werden. Das Böckchen wirbt dabei um die Aufmerksamkeit des Weibchen und läuft dabei brommselnd und Rumba tanzend um es herum. Hin und Wieder spritz er dabei Urin. Aber auch Weibchen nutzen das Urin spritzen um sich allzu aufdringliche Böckchen, aber auch brommselnde Weibchen, "vom Hals zuhalten". Meerschweinchen nutzen das Urin spritzen also nicht zum markieren ihres Reviers wie wir es von anderen Tierarten kennen, sondern als Verteidigung oder aber im Rahmen des Werbeverhaltens.
... dass Böckchen durch eine Kastration "ruhiger" werden! Diese Aussage beruht auf der Tatsache, dass zum Beispiel kastrierte Kater nach ihrer Kastration vom Gemüt her ruhiger und zutraulicher werden. Das ist bei Meerschweinchenböckchen nicht so! Die Kastration ändert nichts am Charakter der Tiere. Ein Böckchen, welches vorher schon aggressiv war, wird es auch nach der Kastration sein! Aussagen von Tierärzten, die zu einer Kastration raten, damit sich zwei Böckchen verstehen, sollten daher in Frage gestellt werden.
Sherlock Holmes & Watson
Schorschie & Charlie
Richtig ist, ...
... dass Böckchen mehr Platz brauchen! Hier gilt: Je mehr Platz, desto besser! Mehrere Böckchen in einer Gruppe brauchen diesen, um sich auch mal bei kleineren Rangeleien aus dem Weg gehen zu können. Zusätzlich dazu benötigen die Unterschlüpfe, deren Zahl größer sein sollte, als die Anzahl der Böckchen, mehr Platz. Außerdem müssen ausreichend Möglichkeiten zum Laufen und Springen vorhanden sein. Es sollte eine Mindestgröße von 0,50 m² pro Tier (entspricht etwa 140x70 cm) nicht unterschritten werden. Je größer die Böckchengruppe, desto mehr Platz muss zur Verfügung stehen.
... dass eine Böckchengruppe mit einer geraden Anzahl (2, 4, 6 usw.) harmonischer zusammenlebt als eine Böckchengruppe bestehend aus 3, 5, 7 usw. Böckchen. Grund dafür ist, dass hier jedes Böckchen theoretisch einen Partner hat mit dem er durchs "Leben gehen" kann.
.. dass in eine bestehende Böckchengruppe keine Weibchen gehören! Ihre Böckchen würden. sofort versuchen die Aufmerksamkeit des Weibchens zu erregen und um es werben. Dabei steht der andere Bock natürlich im Weg. Zwangsläufig führt dies immer zu Beißereien und wilden Auseinandersetzungen, da jedes Böckchen versuchen wird den Kontrahenten ausser Gefecht zu setzen. Ersparen Sie sich bitte diesen Ärger! Wenn Sie sich für eine Böckchengruppe entschieden haben, dann setzen Sie bitte auf keinen Fall Weibchen dazu!
... dass zusammengehaltene Böckchen nicht getrennt werden dürfen! Dies gilt ebenfalls für Tierarztbesuche! Eine Trennung von Böckchen ist endgültig, da sich die Böckchen von einander entfremden und ein erneutes Zusammensetzen wieder zum Ausfechten der Rangordnung führt und es dort zu schweren Bissverletzungen kommen kann.
Weitere Fragen zur Böckchenhaltung
Das Partnertier meines unkastrierten Böckchens ist verstorben. Was soll ich tun?
Wenn Sie die Meerschweinchenhaltung nicht aufgeben möchten, sondern ein neues Partnertier für Ihren allein stehenden Bock haben möchten, dann bietet es sich an ein junges Böckchen (etwa 6-8 Wochen alt) dazuzusetzen. Das Dominanzverhalten bei Jungböckchen ist noch nicht so ausgeprägt und entwickelt sich noch, daher funktioniert eine Vergesellschaftung meist problemlos. Natürlich kann es auch hier vorkommen, dass eine Vergesellschaftung fehlschlägt. Auch eine Vergesellschaftung von zwei älteren Böckchen kann funktionieren, wenn diese nicht vorher mit Weibchen zusammengelebt haben oder aber ausgesprochen dominant sind. Die Kombination Jungböckchen und Jungböckchen funktioniert ebenfalls.
Je nachdem wie alt Ihr Böckchen ist, können Sie auch eine Kastration in Erwägung ziehen. Bevor Sie einen Kastrationstermin vereinbaren ist es jedoch wichtig, dass Sie Ihr Böckchen tierärztlich untersuchen lassen und dabei alle Vitalfunktionen (Herz, Lunge usw.) überprüfen lassen. Wenn der Tierarzt Ihnen bestätigt, dass Ihr Böckchen gesundheitlich fit ist, dann können Sie auch ein 4- oder 5-jähriges Böckchen kastrieren lassen. Bitte teilen Sie Ihrem Tierarzt mit, wenn Sie von erblichen Erkrankungen des Tieres wissen oder wenn bereits früher Probleme bei Operationen aufgetreten sind. Sollte dies der Fall sein, so sehen Sie bitte von einer Kastration ab.
Ich habe noch nie zwei Böckchen vergesellschaftet!
Dieses "Problem" tritt häufig dann auf, wenn Sie zwei Böckchen zusammen bei sich aufgenommen haben und dann eines der Böckchen stirbt. Eine Vergesellschaftung von zwei Böckchen verläuft meist heftiger als bei einem Böckchen mit Weibchen. Bei einer Vergesellschaftung wird die Rangordnung "ausgekämpft". Charakteristisch für die Vergesellschaftung sind das Hinterherjagen und das Zähneklappern. Wichtig ist, dass das erste Aufeinandertreffen auf neutralem Boden (im Auslauf) stattfindet. Setzen Sie also bitte nicht das neue Böckchen sofort in den Käfig oder Eigenbau. Legen Sie in den Auslauf etwas Heu und Frischfutter und stellen zwei Unterschlüpfe mit mindestens zwei Ausgängen zur Verfügung. In den ersten 15 Minuten passiert meist wenig. Danach beginnt dann aber das Jagen und Zähneklappern. Trennen Sie Ihre Böckchen auf keinen Fall. Kleinere Bisswunden verkraften die Tiere. Sollten Sie Ihre Meerschweinchen allerdings in einem Knäuel verbissen haben, dann ist die Vergesellschaftung fehlgeschlagen. Grundsätzlich kann es bis zu zwei Wochen dauern bis endgültig Frieden in der Gruppe eingekehrt ist. Solange kann es immer wieder zu Zähnchengeklapper und "Jagdszenen" kommen.
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Aktualisierung
Zuletzt aktualisiert am:
12.04.2010